Ein Bericht vom AG Leiter und RoboTigers Coach
Liebe Leser,
wie soll ich das nur schreiben? Griechenland war einfach UNBESCHREIBLICH.
Es etwas habe ich noch nie erlebt. Für mich persönlich stecken 18 Jahre Arbeit im Erreichen dieses Ziels und nun bin ich auf einem internationalen Turnier. Einer Weltmeisterschaft. Für mich war es ÜBERWÄLTIGEND.
In der FLL gibt es nicht mehr die eine Weltmeisterschaft. Stattdessen gibt es ca. 10 internationale Turniere und jede ist eine Weltmeisterschaft. Man bewirbt sich dann dafür und es wird nach Losverfahren verteilt. Wir bekamen den Jackpot. Griechenland. 56 Mannschaften aus ca. 40 Ländern und allen Kontinenten. Und prompt trafen wir die rhsRobotX wieder. Der rhs-Coach begrüßte mich mit einer Umarmung. Jetzt wird wohl aus Kooperation und Bündnis sogar schon Zuneigung.
Gleich in der Eröffnungszeremonie wurde uns schon erklärt, dass der Wettbewerb zwar ausgetragen wird, aber nicht mehr wichtig ist. Jeder ist bereits ein Gewinner. Und Teil einer großen weltweiten Gemeinschaft von begeisterten Menschen. Es ist mehr Feier als Turnier. Ständig war irgendwo Musik, dauernd wurde irgendwo getanzt. Die Eröffnung begann mit einem Umzug, bei dem jede Mannschaft in der Nummernreihenfolge vom Stand in die große Halle ging. Es erinnerte sehr an die einziehenden Mannschaften bei den olympischen Spielen. Bis hin zur dazugehörenden Modenschau. Alle trugen entweder Mannschafts-Kleidung und etliche Teams nationale Trachten. Man denkt, junge Menschen würden das spießig und doof finden? Nix da, mega cool! Nationale Identität wird gelebt, gezeigt, gepflegt und als Bereicherung gefeiert.
Und man bekommt viele, viele Kontakte mit den anderen Teams und deren Coaches.
- Die Neuseeländer sind tatsächlich 40 Stunden geflogen.
- Die Amis haben auf Trump geschimpft.
- Von einer griechischen Mannschaft bekamen wir viele technische Tipps.
- Die irischen und französischen und koreanischen Trainer haben die gleichen pädagogischen Probleme mit Jugendlichen wie wir.
- Die Dänen hatten statt persönlichem Handgepäck nur Boxen mit Lego-Equipment.
- Auf internationaler Ebene wird kein Hehl daraus gemacht, dass sowohl Coaches, erwachsene Helfer und ältere Schüler mit bauen und programmieren. Und sie sagen das auch in den Jury-Sessions.
- die Mexikaner sind besonders stolz auf ihr Marzipan. Kasachstan lud zu einer Nutella-Party ein.
- etc.
Wie in Leipzig hatten wir wieder einen eigenen Stand zu gestalten. Nur diesmal war es gleichzeitig ein eigenes Zelt. 56 Zelte bildeten einen großen Marktplatz und man brauchte Stunden, um sich alles anzusehen. Es war zu viel, um mit allen Mannschaften ausführlich zu reden.
An jedem Stand gab es Süßigkeiten und viele kleine Geschenke. Wenn man den eigenen Stand unbeobachtet lies, fand man beim Wiederkommen kleine Geschenke und neue Süßigkeiten vor. Nächstes Mal haben wir sehr viel Haribo dabei. Da stürzen sich alle drauf, es schmilzt nicht und wird als typisch deutsch angesehen.
Unser größter Fehler war – eine unserer Lektionen- nicht schon vorher anzureisen. Wir kamen Freitags abends an, waren nach 14 Stunden Anreise durch den Wind und es ging darum den Stand zu gestalten. Dabei waren wir noch desorientiert in fremder Umgebung. Gegenüber Leipzig waren wir schon etwas verbessert. Wir hatten Luftballons, Kekse, Banner, kleine deutsche und griechische Fahnen. Und noch wichtiger: Wir hatten Eltern dabei! Ein Support-Team von sechs Erwachsenen, die im Stand-Aufbauen eine Aufgabe fand und froh war, etwas aktiv beitragen zu können. Hier entstand Teamwork, dass aus Schülern, Eltern und Lehrer bestand.
Als Unterkunft gab für sechs Schüler und 6 Erwachsene nur zwei Räume mit jeweils 14 Etagenbetten. Ein Raum für die Schüler, einer für die Erwachsenen. Keine Geschlechtertrennung möglich. Komfort sieht anders aus.
Insbesondere Kollegen erklärten mich im Vorfeld für verrückt. Weiterhin sind noch 3 Eltern mitgeflogen, haben aber für sich ein Hotel außerhalb der Ranch und einen Mietwagen gebucht. Doch es war cool! Natürlich wusste jeder, dass man in der Zeit auf viele persönliche Bedürfnisse verzichten muss, sich benehmen muss und sich gegenseitig unterstützen muss. Alle benahmen sich. Alle waren nett und rücksichtsvoll. Jeder unterstütze jeden. Die Gespräche wurden immer persönlicher. Es entstand Freundschaft und das Gefühl eine Familie zu sein. Der ganze seelische Müll und Ballast, den man überflüssig mit sich trägt, war 2500 km weit weg. Man lernt, dass man -zumindest für einige Zeit- den ganzen Kram und den ganzen Luxus nicht braucht. Wirklich wichtig sind nur die Menschen, das Miteinander, das Hier und Jetzt.
Genug geschrieben, der Newsletter ist schon lang genug. Also versuche ich mal ein Fazit:
Wettbewerb: Wir sind irgendwo im mittleren Niemandsland gelandet. Keine Pokale. Natürlich möchte man -falls es ein nächstes Mal gibt- noch weiter. Diesmal nicht so wichtig, aber wir wollen unbedingt noch mal.
Emotionen: Viele! Es war eine Belohnung für all die engagierte großartige Arbeit, welche wir (Schüler, beide Trainer und auch Eltern) geleistet haben.
Erfahrungen: Auch viele! Habe jetzt eine Liste mit ca. 30 Punkten auf meinem Handy, was ich alles ändern oder noch machen möchte. Aleksander hat sicher auch eine.
Persönliches: Es ist wirklich erstrebenswert, diese Turniere zu erreichen und es lohnt sich, dafür zu kämpfen. Es berührt und verändert einen. Ich bin sehr dankbar, dass nach meinen 18 Jahren Robotik-Einsatz wenigstens einmal geschafft, und so etwas erlebt zu haben.
So, das reicht jetzt erst mal. Wir gehen jetzt die neue Saison an. Diesmal haben wir wohl zwei Teams und sehr große Ziele. Drückt uns bitte die Daumen.
Viele liebe Grüße
Achim Bohl
