„Ohne Humor geht es nicht“ – 100 Tage als Schulleiter

HAZ / Calenberger Zeitung, 12.05.2018 – Von Marcel Sacha

Empelde/Ronnenberg. 18 Jahre ist es her, dass Kay Warneke als Mathematik- und Physiklehrer an die Marie-Curie-Schule (MCS) kam. Seit genau 100 Tagen bekleidet er das Amt des Schulleiters. Sein bisheriges Fazit: „Ich kann mich definitiv nicht über Langeweile beschweren.“ Zu viele Aufgaben habe er dafür zu erledigen gehabt: zahlreiche Personalgespräche, Kontakte mit dem Schulelternrat, den Schulhaushalt sowie die Verbeamtung von fünf Lehrkräften. Neben diesen alltäglichen und wiederkehrenden Arbeiten hat der 53-Jährige allerdings auch langfristige Visionen vor Augen.

Dazu zählt für Warneke vor allem die Digitalisierung des Unterrichts. Sein Ziel ist es eigenen Angaben zufolge, digitale Endgeräte – wie zum Beispiel Tablets – in den Unterrichtsalltag zu integrieren. „Daran wird langfristig kein Weg vorbeilaufen“, ist sich der zweifache Vater sicher. Die Digitalisierung soll ihm zufolge jedoch nicht im Hauruckverfahren vollzogen werden. Dies sei auch gar nicht möglich, sagt Warneke. Vielmehr sei die Entwicklung ein „Bohren dicker Bretter“. 

So müsse beispielsweise zunächst die technische Infrastruktur hergestellt werden. Dazu gehört für Warneke in erster Linie der Breitbandausbau an der Schule. Seine Vorstellung: Ab dem Schuljahr 2020/2021 sollen über einen Zeitraum von drei Jahren die Voraussetzungen für ein erfolgreiches digitales Lernen geschaffen werden. Dazu gehören aus seiner Sicht neben dem Breitbandausbau auch ein flächendeckendes WLAN sowie ein schuleigenes Verwaltungssystem und Intranet. Was der Schulleiter zur Umsetzung allerdings benötigt, ist die Unterstützung des Schulträgers, das heißt der Stadt.

Warneke schätzt das finanzielle Volumen für die gewünschten Maßnahmen auf rund 250 000 Euro – angesichts klammer Haushaltslage kein unwesentlicher Betrag. Konkrete Finanzierungspläne liegen im Rathaus laut Stadtkämmerer Frank Schulz für die MCS-Digitalisierung noch nicht vor. Er halte es jedoch für durchaus möglich, die Wünsche des neuen Schulleiters aufzugreifen und mit dem Haushalt 2019 entsprechende Entwicklungen in Gang zu setzen. „Eine Detailplanung gibt es allerdings noch nicht“, sagt Schulz.

Trotz der fortschreitenden Digitalisierung ist Warneke davon überzeugt, dass die traditionellen Lehrkonzepte weiterhin wichtiger Bestandteil einer umfassenden Bildung seien. Eine reine Fokussierung auf das digitale Lernen, wie sie unter anderem an der Oberschule Gehrden zu finden ist, hält der 53-Jährige für falsch. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass ehemalige Schüler der Oberschule, die an der MCS die Oberstufe besuchen, in der Schreibkompetenz häufig Defizite aufwiesen. Zwar ziehe er den Hut vor dem Konzept der OBS, sagt Warneke. „Ein Vorbild ist die Schule für mich allerdings nicht.“

Zu einem erfolgreichen Lernen gehört für den neuen Schulleiter neben dem pädagogischen und inhaltlichen Konzept auch, dass die Schüler Spaß in der Schule haben. Daran habe auch die Lehrkraft einen wesentlichen Anteil, sagt er. Doch auch für einen Schulleiter sei ein gewisser Humor unabdinglich. Warneke ist davon überzeugt: „Ohne Humor geht es nicht. Wer den Humor verliert, kann keine Schule leiten.“ Dass er seinen Humor nicht verloren hat, bewies Warneke auf der Verabschiedungsfeier seines Vorgängers Frank Hellberg, als er mit breitkrempigem Mexikaner-Hut und Gitarre ein Abschiedslied sang. Dabei liege ihm die rheinische Karnevalsmentalität eigentlich gar nicht, räumt Warneke ein. Vielmehr gefalle ihm als „Norddeutscher durch und durch“ der trockene Humor. Als Mitglied der Hannoveraner Kabarett-Formation „Störfall“ zeigte er dies bis 2003 sogar auf den niedersächsischen Kleinkunstbühnen.

Ein weiteres Anliegen des neuen Schulleiters dürfte sicherlich auch bei vielen Schülern Gefallen finden. Bereits in seiner Zeit als stellvertretender Schulleiter hatte sich Warneke dafür eingesetzt, den Schulbeginn um 15 Minuten nach hinten zu verschieben. Am Empelder Standort würde dann die erste Stunde statt um 7.45 um 8 Uhr beginnen, in Ronnenberg, wo die fünften und sechsten Klassen beheimatet sind, würde der Gong erst um 8.15 Uhr erklingen. Studien zufolge hätte ein späterer Schulbeginn positive Auswirkungen auf die Lernfähigkeit der Schüler. Doch bislang scheiterte eine entsprechende Änderung an Regiobus und der Regionsversammlung, da dies einer umfassenden Änderung des Fahrplans bedürfe. Eine Mehrheit dafür hat sich bislang auf Regionsebene nicht finden lassen. Dennoch hält Warneke an seinem Wunsch fest. Wie der 53-Jährige erklärt, wolle er in den nächsten Monaten erneut den Kontakt zu den Entscheidungsträgern suchen.

(Korrektur: Aktuell beginnt der Untericht in Ronnenberg um 7:45 Uhr, und in in Empelde um 8 Uhr)

 

U-14 des TuS Empelde wir Deutscher Faustball Meister

Im Team spielen auch mehrere Schüler der Marie Curie Schule, an der Faustball eine wichtige Rolle spielt. Das reicht von Ganztagsangebot bis zur Abiturprüfung.

HAZ / Sportbuzzer, 16.03.2018 – ein Bericht von Jan Beckmann

Es ist 16.27 Uhr, als Gowtham Paskaran den letzten Ball verwandelt. Und dann gibt es kein Halten mehr: Spieler, Trainer und Betreuer des TuS Empelde bilden eine Jubeltraube, Fans stürmen das Feld. Viele haben Tränen in den Augen. Sie haben gerade Historisches gesehen: Zum ersten Mal in der 118-jährigen Vereinsgeschichte hat eine TuS-Mannschaft einen deutschen Meistertitel gewonnen. Gelungen ist das den Empelder Faustballern bei den nationalen Titelkämpfen der U-14-Jugend.

Das Team der Trainer Robert und Maxi Hüper ist bei der von den Calenbergern in der Großsporthalle am Ententeich ausgerichteten Endrunde mühelos durch die Vorrunde marschiert, schaltete im Halbfinale den niedersächsischen Rivalen MTV Wangersen aus und legte im Endspiel ein vielumjubeltes Comeback gegen die hoch gehandelte Berliner Turnerschaft hin. Mit 8:11, 11:6 und 11:4 sicherten sich die Lila-Weißen verdient die Goldmedaille und hinterließen einen um Worte ringenden Coach.

„Dass die Jungs es tatsächlich gemacht haben, ist der absolute Wahnsinn. Die haben eine Coolness gezeigt vor der großen Kulisse und sich von den vielen Fans zum Sieg treiben lassen“, sagte Robert Hüper. Zusammen mit seiner Frau betreut er die Mannschaft schon seit frühen Grundschulzeiten, Kapitän und ruhender Pol der Truppe ist Sohnemann Nicklas. „Aber die Jungs sind eigentlich alles unsere Kinder – und mit denen ist man plötzlich deutscher Meister“, freute sich Maxi Hüpe, die nach dem Triumph noch ein wenig ungläubig wirkte. Einen großen Anteil am Titel hat das „jüngste“ Teammitglied Steffen Schrader. „Der Angreifer kommt von der TSV Burgdorf, hatte da aber keine Mannschaft in seiner Altersklasse mehr“, berichteten die Trainer. Mit seiner Ruhe und nahezu perfekten Ballbehandlung brachte er die auch vorher schon starke TuS-Formation auf ein noch höheres Level.

„Andere Trainer hatten uns schon vor der DM zu den Favoriten gezählt. Wir waren uns da aber gar nicht so sicher, auch wenn wir ein bisschen mit einer Medaille geliebäugelt haben“, sagte Robert Hüper. Erst im Finale, als im entscheidenden dritten Satz beim Stand von 6:2 für die Empelder ein letztes Mal die Seiten gewechselt wurden, da dämmerte ihm, „dass das jetzt tatsächlich klappt mit dem Titel. Nach nervösen Start ins Endspiel haben die Jungs unsere Anweisungen wirklich perfekt umgesetzt. Wir mussten gar nicht mehr eingreifen, konnten die letzten Bälle fast schon entspannt verfolgen.“

Mit dem Titel belohnen sich die Hüpers auch ein Stück weit selbst: „Wir sind seit fast 25 Jahren Jugendtrainer, spätestens seit Sonntag wissen wir, wie sehr sich diese Arbeit gelohnt hat. Da hat sich eine tolle Mannschaft präsentiert, vom ersten bis zum achten Mann auf der Reservebank.“ Die starke Leistung des TuS hat unter den etwa 300 Zuschauern auch U-18-Bundestrainer Tim Lemke verfolgt – er machte sich eifrig Notizen. Vielleicht erfüllt sich ja die Hoffnung des Ehepaares, dass es nach Sohn Nicklas Hüper und Steffen Schrader weitere TuS-Talente in die Auswahlmannschaften schaffen. Gowtham Paskaran, Nico Rachel oder auch der am Wochenende nach Armbruch zum Zuschauen verdammte Till Materlik hätten enormes Potenzial.

Einzig an den Feier-Fähigkeiten muss man in Empelde noch arbeiten.„Wir haben im Vorfeld als Ausrichter so viel Organisatorisches zu erledigen gehabt, dass wir die Planung einer möglichen Meisterfeier schlicht vergessen haben“, sagte Robert Hüper. „Das holen wir bald nach.“ Vielleicht schon ganz bald, denn der deutsche Meister hat direkt nach dem Finalsieg eine Einladung zum Empfang bei Ronnenbergs Bürgermeisterin Stephanie Harms erhalten. Die Verwaltungschefin war an beiden Tagen in der Halle und mit Begeisterung dabei, als der TuS-Nachwuchs Historisches erreichte: den ersten Meistertitel nach 118 Jahren.

Von Jan Beckmann